La Mambita
 

Salsa Reportage

Salsa will change your life

Als ich zum ersten Mal in die Tanzschule La Mambita kam, hielt ich den Satz „Salsa will change your life“ lediglich für einen griffigen Slogan. Doch heute sehe ich das anders. Das Tanzen schenkt mir eine einzigartige Lebensfreude. Dies ist wohl der wichtigste Grund, warum ich schon seit Jahren immer wieder zu Salsa-Partys gehe:

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„Möchtest Du mit mir tanzen?“ - ich lächle und ergreife die Hand des Mannes, der auf mich zukommt.
Seine andere Hand spüre ich auf meinem Schulterblatt, ein kurzer Druck, los geht’s.
Kaum ein Grundschritt zur Gewöhnung, sofort führt er mich in schwierige Figuren, dabei haben wir noch nie zusammen getanzt.
Eine Linksdrehung, noch eine, ich wirble herum - da eine Hand, ich fasse schnell zu.
Eine Grundregel beim Salsa-Tanzen lautet: Ergreife jede Hand, die der Führende dir bietet.
Noch eine Doppeldrehung, alles im rasanten Tempo.

Um mich herum zwingen latein-amerikanische Rhythmen alle Füße zum Wippen.
Es ist heiß, die Türen stehen sogar offen. Vielleicht 100 Paare drängen sich auf der Fläche und bringen den Club zum Kochen.
Rötliches Licht bricht sich in der Perlenkette einer Tänzerin.
Rosen und Kerzen auf jedem Stehtisch.

Ganz verschiedene Menschen tanzen und lachen hier miteinander -
alte und junge, schwarze und weiße, Krawattenträger, Hausfrauen und Studenten.
Ein junger Mann in Jeans und Chucks führt eine Blondine, die goldene High-Heels und ein mit Pailletten besticktes Top trägt.
Ein Südländer schließt verträumt die Augen beim ruhigen Tanz mit seiner Partnerin und dort in einer anderen Ecke üben zwei Informatik-Studierende die Grundschritte. Jedes Paar tanzt anders, manche sehr erfahren und manche zum ersten Mal.

Noch vor zwei Stunden waren allein 30 Anfänger auf der Tanzfläche - eine Schnupperstunde:
Ich stand mit ihnen im großen Kreis und der Tanzlehrer in der Mitte.
Der junge Mann im grünen Shirt strahlte gute Laune aus und dirigierte mit Schwung den Vier-Viertel-Takt mit:
„Der Grundschritt für alle Ladies geht so - rück-am Platz-und vor. Kleine Schritte, der Anfang muss immer klein sein.“ Er erklärte, dass wir gerade den Cross-Body-Style lernen. Bei diesem Salsa-Stil tauschen der Mann und die Frau während des Tanzens immer die Positionen. Sie bewegen sich also auf einer unsichtbaren Linie im Raum vor und zurück. Im Gegensatz dazu bewegen sich beim kubanischen Tanzstil der Mann und die Frauen umeinander im Kreis herum. „Der Cross-Body-Style ist wie Schaukeln und der kubanische Stil wie Karussell fahren“, formulierte es der Tanzlehrer.

Doch ja, das will gelernt sein. Monatelang war ich bei La Mambita zwölf Stunden die Woche, bevor ich zum ersten Mal das Gefühl hatte, über die Tanzfläche zu schweben. Doch auch der Weg dahin war ein schöner. Ich liebe die Atmosphäre in den Klassen, wenn alle gemeinsam üben, zusammen Spaß haben und den Alltag hinter sich lassen.

Durch die viele Übung in der Schule änderte sich langsam aber sicher meine Haltung, meine Muskulatur, sogar mein Selbstbewusstsein. Denn an Ausstrahlung und körperlicher Präsenz wird in gutem Unterricht gearbeitet.
Heute nach einigen Jahren kann ich auf Salsa-Partys völlig entspannen und abschalten. Den Arbeitsstress vergessen und mit meinen Freunden tanzen, reden und lachen.
Beim Ausgehen lernt man zudem viele, neue Leute kennen. Manchmal bleibt es bei einem freundlichen „Hallo“ und zwei Küsschen rechts und links, was zur Standard-Begrüßung auf den Partys gehört.
Doch so manche tiefe Freundschaft hat sich auch schon entwickelt. Das Hobby verbindet eben, einige Tänzer sprechen sogar von ihrer globalen „Salsa Family“.

Mittlerweile hat sich der Paartanz auf der ganzen Welt verbreitet, dabei sind die modernen Stilrichtungen wie der L.A.-Style oder der New-York-Styl noch vergleichsweise jung. Die afro-karibischen Wurzeln des Tanzes liegen zwar im traditionellen Volkstanz, doch wie der Name schon sagt, entstand zum Beispiel der New-York-Style eben im Big Apple erst in den 1970er-Jahren. Verschiedene Emigranten mischten in den Barrios die „Soße“ zusammen, was Salsa im Spanischen bedeutet.

So sind wie die Zutaten in einer Soße auch die verschiedenen, kulturellen Tanzelemente miteinander verquirlt: Die Salsa-Mixtur vereint so beispielsweise Bewegungen der afrikanischen Rumba mit Figuren aus dem europäischen Turniertanz.
Passend zu dieser Vielfalt gibt es in der Salsaphilosophie auch keine Alters-, Rassen- oder Klassengrenzen.

Die Party neigt sich dem Ende. Ich bin auf der Damen-Toilette und blicke in den Spiegel: Mein Pferdeschwanz hat sich aufgelöst, meine Wangen sind gerötet, vom Make-up sind nicht mal mehr Spuren sichtbar, aber meine Augen funkeln. Ich schaue noch mal in den Spiegel und sehe, wie glücklich ich bin. Ich gehe hinaus, atme die frische Luft und spüre die laue Sommernacht auf meiner Haut.
Über fünf Stunden bin ich herumgewirbelt, ohne einmal auf die Uhr zu schauen.
Meine Füße tun weh, aber das merke ich erst jetzt.

Die Autorin war viele Jahre Mambita-Schülerin und lebt und arbeitet als freie Journalistin in Berlin.

Salsa will change your life!